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Daten und Fakten

Alleinerziehende Migrantinnen - Lebensform in Vielfalt und Kontinuierlicher Entwicklungen

Situation alleinerziehende Migranten/innen in Niedersachsen 2016
  • Es sind rund 44.000 Mütter mit unterschiedlichsten Wurzeln die mit ihren rund 70.000 Kindern in Niedersachsen wohnen.
  • Das heist, jede 5. alleinerziehende Frau tragt eine Zuwanderungsgeschichte in sich.
  • Sie haben nur 0,2 Kinder mehr als andere alleinerziehende Mutter und rund 60 % von ihnen leben mit einem Kind zusammen.
  • Die eine Hälfte der Frauen hat einen deutschen Pass, die andere einen auslandischen. Wenige haben einen ungesicherten Aufenthaltsstatus.
  • Sie kamen aus der früheren Sowjetunion oder durch Arbeitsmigration der Eltern aus der Türkei und den anderen Südeuropaischen Staaten. Sie haben sich aber auch aufgrund von Krieg und Verfolgung aus dem vorderen Orient und Nordafrika auf den Weg gemacht.
  • Für die Hälfte der Frauen ist Zuwanderung kein einmaliger Prozess, denn familiäre Bedingungen führten zu mehrmalige Wanderbewegungen.
  • Für die meisten Frauen war der Weg in die Einelternfamilie nicht geplant, doch vor allem auf dem Hintergrund von familiärer Gewalt und zum Schutz der eigenen Kinder, gingen sie den Weg selbstbestimmt.
  • Im Nachhinein wir von den Müttern die Neudefinition ihrer Rolle und der Zuwachs an Selbstbestimmtheit benannt.
  • Daneben benennen sie als Ziel, ihren Kindern eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu ermöglichen, egal welchen Bildungsstand sie selber erreichen konnten.
  • Mütter benennen häufig die Benachteiligung ihrer Kinder aufgrund der fremden Herkunft, weniger aufgrund der Familienform "alleinerziehend". Die Bewertungsmaske "Migrantin" liegt über allem.
  • Die Mütter möchten aber auch keine "betreute" Sonderstellung. Sie wünschen sich Wertschätzung fur den Anteil ihres kulturellen Erbes.
  • Trotz aller Benachteiligungen werden Bildungs-und Beratungseinrichtungen als unterstützend empfunden, nur der kultursensible Zugang wird häufig vermisst.
  • Das ist auch auf den eigenen beruflichen Werdegang zu übertragen. Wie auch deutschstämmige Alleinerziehende wollen Migrantinnen erwerbstätig sein, ihren Fähigkeiten und Qualifikationen entsprechend. Besonders gut ausgebildete Frauen leiden an der mangelnden Anerkennung ihrer Qualifikation. Gesetzliche Nachbesserungen sind hier dringend geboten. Auch die Integrationsangebote der Jobcenter basieren ofter auf dem Bild der bildungs-und erwerbsfernen Mutter, die eh durch ihr familiäres Umfeld gebunden ist. Das mag ein Schlaglicht zum Trennungszeitpunkt sein, weil die Rollenzuordnung in der Familie Spracherwerb und Ausbildung nicht vorsah, doch bei genaueren Befragungen der Frauen stand die eigene Absicherung durch eine befriedigende Erwerbsarbeit im Zentrum. Kritisch sehen Migrantinnen auch die Tendenz von Vermittlungseinrichtungen und Arbeitgebern, die eigenen Migrationserfahrungen in den beruflichen Kontext zu setzen und sie fur Migrationsthemen einzusetzen.
  • Alleinerziehende Migrantinnen verfügen über unterschiedlichste Netzwerke. Neben familiäre Unterstützung, oft über Landesgrenzen hinaus, pflegen sie Kontakte, die durch die eigene Ausbildung oder die Kinder entstanden sind. Sie sind ehrenamtlich aktiv, um neue Wege für die Familie zu eröffnen oder eigene kulturelle Wurzeln zu pflegen.
  • Aber, wie alle Alleinerziehende, benennen sie die allgegenwärtige Zeitknappheit. Daraus resultierten psychische und körperliche Erschöpfungszustände. Hilfsangebote sind oft nicht bekannt, die Zugänge unklar oder sprachliche Begrenzungen erschweren das Verständnis. Doch auch bei guten Deutschkenntnissen gibt es Hürden. So sagte mir eine türkische Mutter in fliesendem Deutsch in der Telefonberatung: "Verstehen Sie, meine großen Seelennöte kann ich besser in meiner Ursprungssprache ausdrücken".
  • Alleinerziehende Migrantinnen spiegeln die Vielschichtigkeit von Familienleben in Niedersachsen. Ihre wertvollen Erfahrungen und kulturellen Einflüsse aufzunehmen und einzubinden, ist auch Zielsetzung des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter. Und als Interessenvertretung wollen wir auf Benachteiligungen hinweisen und Änderungen anmahnen.

 

 

238.000 Alleinerziehende 2014
• Deutsch: 194.000 (82%)
• Migrationshintergrund: 44.000 (18%)


 44.000 Alleinerziehende Migranten 2014
• Mit deutschen Pass: 20.000 (45%)
• Ohne deutschen Pass: 20.000 (45%)
• Unbekannt: 4.000 ( 4%)




338.000 ledige Kinder, Alleinerziehender 2014
• Deutsch: 267.000 (79%)
• Migrationshintergrund: 71.000 (21%)




71.000 ledige Kinder Alleinerziehender Migranten 2014
• Mit deutschem Pass: 52.000 (73%)
• Ohne deutschem Pass: 19.000 (27%)



SGB ll Frauen 54.532
• Davon Deutsch: 44.912 (82%)
• Davon nicht Deutsch: 9.620 (18%)





SGB ll Männer 3.583
• Davon Deutsch: 2.881 (80%)
• Davon nicht Deutsch: 702 (20%)

 

Quellen:
Landesamt für Statistik NDS (Zahlen aus dem Jahr 2014)
Bundesagentur für Arbeit Statistik (Zahlen sind aus dem Jahr 2016)